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Erste Erfahrungen mit der Maulbeere (Morus sp.), einer Obstart mit Potential für den Biologischen Anbau in Österreich Cover

Erste Erfahrungen mit der Maulbeere (Morus sp.), einer Obstart mit Potential für den Biologischen Anbau in Österreich

Open Access
|Jun 2026

Full Article

Einleitung

Die Maulbeere gehört zur Familie der Maulbeer-gewächse (Moraceae). Die am weitesten verbreitete Art Morus alba stammt ursprünglich aus China, wo sie hauptsächlich für die Zucht von Seidenraupen kultiviert wird, die ebenso wie andere Nutztiere mit den Blättern gefüttert werden (Singhal et al., 2010). Heute ist die Maulbeere welt-weit in den unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen zu finden. Sie kommt sowohl mit tropischen als auch gemäßigten Temperaturen zurecht. Aufgrund ihrer Trockenheitstoleranz und Wassernutzungseffizienz sind Morus ssp. und M. alba im Speziellen (Mutebi, 2022) besonders interessante Obstarten in Bezug auf die Klimaer-wärmung (Iverson et al., 2008; Babaeva et al., 2025).

Zu den wichtigsten Arten für die Fruchtnutzung zählen Morus alba, M. nigra, M. rubra, M. macroura sowie einige Hybriden. M. rubra hybridisiert in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet stark mit M. alba und ist deshalb selten in ihrer ursprünglichen Form zu finden (Burgess et al., 2005). Die besten Fruchtqualitäten weisen M. macroura mit ihren sehr langen und süßen Früchten und M. nigra mit den aromareichsten Früchten auf (Sánchez-Salcedo et al., 2015). Diese Arten sind jedoch aufgrund ihrer klimatischen Ansprüche selten in unseren Breitengraden zu finden. Die primäre Verwendung liegt in der Verarbeitung der Früchte zu Trockenfrüchten, Sirup, Saft und Marmelade (Hermann et al., 2022). Die Früchte werden aufgrund ihrer leichten Verderblichkeit nur selten frisch gehandelt (Kızıldeniz et al., 2023).

Maulbeerblätter besitzen Eigenschaften, welche ihnen Potential für die menschliche Ernährung verleihen. Je nach Sorte haben sie sehr hohe Proteingehalte mit bis zu 38 % und weisen eine gute Verdaulichkeit auf (Yan et al. 2024). Die Eigenschaften können je nach Blattstadium stark variieren (Yogananda Murthy et al., 2013). Durch die besonders hohen Werte an 1-deoxynojirimycin (DNJ) haben Maulbeerblätter eine blutzuckersenkende Wirkung, und ihre Anwendung wird bei Diabetespatienten empfohlen (Yu et al., 2018).

Sowohl Früchte wie Blätter haben ernährungstechnisch und gesundheitlich wertvolle Inhaltstoffe wie essentielle Aminosäuren, Mineralstoffe (Kalium, Kalzium, Phosphor), Vitamine (Thiamin, Riboflavin, Niacin, Folsäure, Vitamin A, B6, E und K), bioaktive, antioxidative und neuroprotektive Substanzen wie Polyphenole, Anthocyane, Phenolsäure, Polysaccharide. Maulbeerfrüchte beinhalten auch Melatonin, dessen Gehalt im Frühjahr zum Fruchtansatz am höchsten und später, wenn die Frucht reift, geringer wird (Yuan & Zhao, 2017).

Insgesamt scheint die Maulbeere in der Türkei, einem der Haupanbaugebiete für die Fruchtnutzung, seit 1988 einen leichten Abwärtstrend sowohl in der Anzahl der Bäume als auch im gesamten Produktionsvolumen zu erleben (Agricultural Department of the Netherlands, 2022). Entgegen diesem Trend stehen lokale Entwicklungen wie in der Provinz Adiyaman, in der der Maulbeeranbau zwischen 2005 und 2015 stark ausgebaut wurde (Ukav, 2018). Im Speziellen spielt der biologische Anbau von Maulbeeren eine Rolle in der Türkei (Gokdogan et al., 2017).

Ziel dieser Arbeit war es, einige Maulbeersorten unter biologischen Anbaubedingungen in Ostösterreich zu beschreiben und auf ihre mögliche Eignung für den Frischmarkt zu bewerten.

Material und Methoden

Die Beobachtungen und Erhebungen fanden 2023 und 2024 im Lehr- und Forschungszentrum der BOKU in Wien-Jedlersdorf statt. Der Garten liegt auf einer Seehöhe von 162 m, ist windexponiert und befindet sich auf sandigem Lehm über Donauschottern. Das Klima ist durch eine westliche Randlage des Pannonikums im Sommer warm und trocken sowie im Winter mäßig kalt. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei 9,8°C, der Jahresniederschlag bei 500 – 600 mm, im Schnitt gibt es 1800 Sonnenstunden pro Jahr. Aufgrund der ebenen Lage treten häufig Spätfröste auf.

Im Frühjahr 2019 wurden einjährige bewurzelte und getopfte Steckhölzer von 12 lokalen Maulbeersorten (vorwiegend Morus alba), die von Andrea Urbanek von der Universität Maribor von alten Bäumen aus Ungarn (Tab. 1) entnommen worden waren, im Garten gepflanzt und mit vier zum Teil schon im Garten vorhandenen Referenzsorten verglichen: Morus rotundiloba 'Mojo Berry' (Herkunft Tatschl, gepflanzt 2019), 'Illinois Everbearing' (M. alba x M. rubra, Herkunft Stockinger, 2018), 'Regina' (M. nigra, Herkunft Schreiber, 2014), Weiße Maulbeere (M. alba, Herkunft unbekannt, 2014).

Tab. 1:

Herkunft der Maulbeersorten von Andrea Urbanek

VA 2569 (Vas)
Morus australis (Baranya)
BA 2229 (Baranya)
VE 2373 (Veszprem)
VE 2620 (Veszprem)
SO 1040 (Somogy)
GMS 2299 (Gyor-Moson-Sopron)
BA 2126 (Baranya)
KP 205 (Koprska brda)
GMS 2533 (Gyor-Moson-Sopron)
SO 1043 (Somogy)
SO 1087 (Somogy)

Die als Büsche erzogenen Bäume wurden jedes Jahr kurz vor dem Austrieb (Mitte April) etwas ausgelichtet. In der Anlage erfolgten weder Düngenoch Pflanzenschutzmaßnahmen. Die Wetterdaten wurden von der Messstation Stammersdorf (4115) über GeoSphere Austria herangezogen, die Angabe der Nasstemperatur im April 2024 wurde von einer für diesen Zeitraum am Gelände installierten Wetterstation (Marke Climavi) abgelesen.

Für die Baum- und Fruchtbeschreibungen der Sorten wurden folgende Parameter untersucht:

Die Bonitur der Wuchsform erfolgte vor dem Schnitt im unbelaubten Zustand, und es wurde laut Urbanek Krajnc und Kozmos (2023) zwischen aufrechtem, halb aufrechtem und hängendem Wuchs unterschieden. Um diese Zeit (am 6.4 2023 und am 11.4.2024) wurden auch durch Frost geschädigte Triebe visuell geschätzt (Angabe in Prozent geschädigte Triebe bzw. Knospen). 2024 wurde aufgrund eines Spätfrostereignisses (am 26.4.) am 2.5. ein zweites Mal bonitiert, wobei hier auch zusätzlich geschädigte Neutriebe und bereits entwickelte Knospen erfasst wurden.

Zur Blütezeit wurde bei jeder Sorte gemäß Urbanek Krajnc und Kozmos (2023) untersucht, ob die Blütenstände männlich, weiblich oder hermaphrodit (zwittrig) sind.

Der Reifebeginn wurde der Kalenderwoche zugeteilt, in der mit der Ernte begonnen wurde, das Reifeende der Kalenderwoche, in der die Ernte abgeschlossen wurde. Damit konnte die Dauer der Fruchtreife bzw. das Erntefenster erhoben werden. Die Bewertung der Ertragsmenge erfolgte bei jedem Baum zu Erntebeginn der jeweiligen Sorte anhand einer visuell geschätzten relativen Ertragsleistung im Vergleich zu einem standorttypischen Vollertrag und wurde immer von zwei Personen gemeinsam mittels Schätzung der vorhandenen Früchte auf einer Skala von 1 bis 9 (1=kein bis sehr geringer Ertrag <5 %; 3=geringer Ertrag, ca. 25 %; 5=mittlerer Ertrag, ca. 50 %; 7=hoher Ertrag, ca. 75 %; 9=maximaler Ertrag, 95-100 %) durchgeführt.

An je zwei Ernteterminen pro Jahr wurde an 10 reifen Früchten pro Sorte – entnommen aus einer Erntetasse mit mindestens 20 an diesem Tag geernteten Früchten - folgendes beurteilt:

Es wurde Urbanek Krajnc und Kozmos (2023) folgend unterschieden, ob die Narben an den Früchten anhaltend oder nicht anhaltend sind. Die Fruchtstiellänge wurde visuell in „kurz”, „mittellang” und „lang” unterteilt, die Fruchtfarbe in „gelblichweiß”, „hellrosa”, „violettbraun”, „rötlichschwarz” und „schwarz”, beides gemäß den Bildvorlagen im Deskriptor von Urbanek Krajnc und Kozmos (2023). Die Fruchtlänge und -breite wurde mit einem digitalen Messschieber der Marke Workzone in Millimeter gemessen. Daraus wurde analog zu anderen Früchten (Keppel et al., 2018) der Fruchtformindex (FFI) mit folgender Formel errechnet: FFI = Länge2 / Breite x Dicke. Die Form der Früchte wurde in „kugelförmig/eiförmig”, „ellipsoid”, „zylindrisch” und „ungleichmäßig” unterteilt (Urbanek Krajnc und Kozmos, 2023).

In den Jahren 2023 und 2024 wurde das Zehnstückgewicht an vollreifen Beeren zur Haupterntezeit an jeweils zwei Terminen mit einer elektrischen Laborwaage (FA-2000S, Sartorius, Göttingen, Deutschland) ermittelt. Daraus wurde das durchschnittliche Einzelfruchtgewicht errechnet.

Am 7. und 26. Juni 2024 wurde die Fruchtfleischfestigkeit an je drei reifen Früchten pro Sorte mit einem Hand-Penetrometer der Firma Bareiss erhoben. Je höher der Messwert auf der Härteskala von 1-100 liegt, desto höher ist die Fruchtfestigkeit. Am 13. und 26. Juni 2024 wurden außerdem mit einem Hand-Refraktometer (Import ATC 3-fach Skala Standard) pro Sorte in 3 Saftmischungen, bestehend aus jeweils 3 Einzelfrüchten, jeweils zwei Brix-Messungen zur Ermittlung des Gehaltes an löslicher Trockensubstanz durchgeführt.

Der Geschmack wurde über das gesamte Erntefenster kontinuierlich von mindestens zwei Personen pro Termin subjektiv bewertet (1=sehr niedrig, 9=sehr hoch). Dazu wurden jeweils am Tag der Ernte mehrere Früchte pro Sorte bei Raumtemperatur frisch verkostet. Außerdem konnten die Bemerkungen „säuerlich”, „süßlich”, „eintönig” und „ausgeglichen” in den Bewertungen angeführt werden.

Die statistische Auswertung der Werte von Einzelfruchtgewicht, Länge, FFI, Fruchtfestigkeit und °Brix erfolgte mit Hilfe des Statistikprogramms SPSS (Version 28.0.1.1, IBM, Österreich). Nach Prüfung der Daten auf Varianzhomogenität und Normalverteilung wurde eine Varianzanalyse in Verbindung mit einem F-Test durchgeführt, um die Mittelwerte anschließend mittels Grenzdifferenz nach S-N-K zu beurteilen, wobei generell mit dem Signifikanzniveau p < 0,05 gearbeitet wurde.

Ergebnisse und Diskussion
Wetterdaten und Frosttoleranz

Im Winter 2022/23 gab es Mitte Dezember starke Fröste und nach milden Temperaturen im Februar noch einmal Anfang April Spätfröste (Abb. 1). Im Winter 2023/24 waren Anfang Jänner die stärksten Fröste zu verzeichnen, gegen Ende März gab es dann Spätfrost und noch einmal am 26.4. mit -1,3 °C Nasstemperatur am Standort (Abb. 2).

Abb. 1:

Temperaturdaten Dezember 2022 bis Mai 2023 (Station Stammersdorf, GeoSphere Austria)

Abb. 2:

Temperaturdaten Dezember 2023 bis Mai 2024 (Station Stammersdorf, GeoSphere Austria), Nasstemperatur im April 2024 ergänzt von Wetterstation am Gelände

'Illinois Everbearing' und M. australis 'Baranya' wiesen in beiden Jahren keine nennenswerten Frostschäden auf, besonders stark betroffen waren dagegen 'Mojo Berry', 'BA 2229', 'VE 2373' und 'GMS 2299'. 'SO 1087' und 'GMS 2533' wiesen nur nach dem Winter 2022/23 starke Schäden auf, 'SO 1043' und 'Regina' vor allem im Jahr 2024 bei der Bonitur am 2.5. Im Jahr 2024 wurden bei der Bonitur am 2.5. deutlich mehr Schäden durch Spätfrost als bei der ersten Bonitur am 11.4. festgestellt (Abb. 3). Beschädigungen am Stamm wurden nur vereinzelt beobachtet und beschränkten sich auf leichte Aushöhlungen, Frostrisse, mechanische Verletzungen sowie Stammkrümmung. Winter- und insbesondere Spätfrosttoleranz sind auf jeden Fall in unserem Klima wichtige Kriterien für die Wahl einer Sorte.

Abb. 3:

Schätzung der durch Frost abgestorbenen Triebe bzw. Knospen an den beobachteten Maulbeersorten in den Jahren 2023 und 2024 in Prozent

Wuchs und Ertrag

Die meisten Sorten zeigten einen aufrechten Wuchs, lediglich 'Illinois Everbearing', 'Mojo Berry' und ‘Regina' wuchsen halb aufrecht. M. rubra hat typischerweise einen mehr flachen, ausladenden Wuchscharakter (Nepal und Purintun, 2021), das war auch bei ‘Illinois Everbearing' klar erkennbar. Der eher buschförmige Wuchs von 'Mojo Berry’ ist ebenfalls auf die Genetìk zurückzuführen: M. rotundifolia wächst bekanntlich deutlich schwächer und hat mehr einen buschförmigen, weniger einen baumartigen Wuchs (Nepal und Purintun, 2021).

Der Erntebeginn im Jahr 2024 war bei den beobachteten Sorten um ein bis drei Wochen früher als 2023 (Tab. 2), was auf wärmere Temperaturen im Spätwinter zurückzuführen ist. M. australis 'Baranya' wies in beiden Jahren den frühesten Rei-febeginn auf, ebenfalls früh reiften 'VE 2620' und 'Regina', während 'Mojo Berry' in beiden Jahren besonders spät mit der Reife startete. Eine sehr lange Ertragsdauer wiesen 'Mojo Berry' mit 12-15 und 'Illinois Everbearing' mit 9-14 Wochen auf.

Tab. 2:

Reifezeit und Ertragsdauer der untersuchten Maulbeersorten in den Jahren 2023 und 2024

Sehr hohe Erträge (Boniturnote von mindestens 8) in beiden Jahren lieferten 'Illinois Everbearing' und M. australis 'Baranya', und trotz starker Spätfrost-schäden im Jahr 2024 auch 'Regina'. Mittelhohe bis hohe Erträge waren auch bei 'Weißfruchtige Maulbeere' (nur 2024 bonitiert), 'SO 1040', 'VE 2620' und 'Mojo Berry' zu beobachten (Abb. 4).

Abb. 4:

Baumertrag 2023 und 2024 geschätzt zum jeweiligen Erntebeginn der Sorte (Boniturwerte von 1=gering bis 9=sehr hoch)

Der Ertragsausfall der Sorte VE 2373 in beiden Jahren, sowie 2024 bei der Sorte BA 2229 dürfte auf hohe Frostschäden (50- 80 %geschädigter Triebe) bei gleichzeitig geringer Fruchtbarkeit zurückzu-führen sein. Bei SO 1043 und GMS 2299 blieb der Ertrag aufgrund nur männlicher Blüten aus.

Die significant schwersten Früchte verzeichnete 'Regina', dahinter lagen 'Mojo Berry' und M. australis 'Baranya', gefolgt von 'Illinois Everbearing' und 'Weißfruchtige Maulbeere' (nur 2024 bonitiert). Bei 'SO 1040', 'VA 2569', 'VE 2620' und 'GMS 2533' lagen die Werte in dem üblichen mittleren Bereich, der bei anderen Marktsorten der Maul-beere zwischen 1,7 bis ca. 3,15 g pro Frucht liegt (Chikkalingaiah et al., 2024; Sun et al., 2023). Damit lag die Sorte 'Regina' deutlich über und die Sorte 'KP 205' deutlich unter diesem Spektrum (Abb. 5).

Abb. 5:

Mittleres Einzelfruchtgewicht und Standardabweichung aus den Jahren 2023 und 2024; * verschiedene Buchstaben zeigen signifikante Unterschiede (ANOVA mit nachfolgendem SNK-test, p<0.05)

Abb. 6:

Früchte aller 12 untersuchten fruchttragenden Sorten am 13. Juni 2024

Fruchtparameter

Die meisten Sorten hatten nur weibliche Blüten. 'VE 2373' wies zwittrige Blüten auf, jedoch ohne weitere Fruchtentwicklung. Keine Fruchtmerk-male gab es auch bei den Sorten 'GMS 2299' und 'SO 1043', die nur männliche Blüten aufwiesen. Die Sorte 'BA 2229' fruchtete lediglich im Jahr 2023 mit sehr geringer Ertragsbeurteilung, weshalb ihre Fruchtmerkmale nicht beurteilt werden konnten. Auch die Zuordnung der Blütenstände dieser Sorte konnte nicht eindeutig beobachtet und erfasst werden.

'Illinois Everbearing', 'VE 2620' und 'Weißfruchtìge' wiesen lange, M. australis 'Baranya', 'SO 1040', 'KP 205', 'Mojo Berry' und 'Regina' mittellange Fruchtstìele auf. Alle übrigen Sorten hatten kurze Stìele. Kurze Fruchtstìele können die Ernte erschweren oder zu Verletzungen an den Früchten bei der Ernte führen.

Die Maulbeersorte mit den längsten Früchten (34,2 mm, FFI 5,57) war 'Illinois Everbearing'. M. australis 'Baranya' (31,3 mm, FFI 3,53), 'Weiß-fruchtìge' (29,0 mm, FFI 3,40) und SO 1040 (25,4 mm, FFI 3,29) wiesen dagegen im Vergleich zu 'Illinois Everbearing' deutlich breiter gebaute Früchte auf. Noch breitere Früchte zeigten z.B. 'BA 2126' (FFI 1,91), 'Mojo Berry' (FFI 1,99), 'SO 1087' (FFI 2,20), 'GSM 2533' (FFI 2,23) und 'Regina' (FFI 2,54), was laut Erarslan et al. (2021) typisch für Morus alba im Vergleich zu den mehr länglichen Sorten von M. rubra oder ihren Hybriden ist (Tab. 3).

Tab. 3:

Fruchtmerkmale in den Jahren 2023-24 (bzw. bei Länge, Fruchtformindex, Gesamtgeschmack, Brix-Wert und Fruchtfestigkeit siehe Index)

SorteBlüte bzw. Stigma (Narbe)StiellängeFruchtfarbeFormLänge2 (mm) *Fruchtformindex2 *Gesamtgeschmack1 (1 - 9)°Brix-Wert2*Fruchtfestigkeit2 *Bemerkungen
VA 2569nicht anhaltendkurzgelblichweißellipsoid24,9d2,55a5,215,5b10,3asüßlich (eintönig)
Morus australisanhaltendmittelrötlichschwarzungleichmäßig31,3ef3,53b6,018,1c14,8bcsüßlich
BA 2229unklar
VE 2373hermaphrodit
VE 2620anhaltendlangviolettbraunungleichmäßig23,9d2,58a5,018,3c7,3aausgeglichen
SO 1040nicht anhaltendmittelviolettbraunungleichmäßig25,4d3,29b6,317,7bc6,6aausgeglichen
GMS 2299männlich
BA 2126anhaltendkurzgelblichweißei-/kugelförmig17,6ab1,91a5,319,6cd6,8asüßlich
KP 205anhaltendmittelgelblichweißellipsoid15,5a2,20a5,026,8e9,6asüßlich
GMS 2533anhaltendkurzhellrosaellipsoid20,8c2,23a5,021,1d9,0asüßlich
SO 1043männlich
SO 1087nicht anhaltendkurzschwarzellipsoid18,8bc2,20a5,017,4bc16,5cdausgeglichen
Illinois Everb.nicht anhaltendlangrötlichschwarzzylindrisch34,2g5,57c7,518,3c9,4aausgeglichen
Mojo Berryanhaltendmittelschwarzelipsoid24,0d1,99a4,311,2a19,9deintönig
Weißfruchtigeanhaltendlanggelblichweißzylindrisch29,0e3,40b6,018,3c11,4abausgeglichen
Reginanicht anhaltendmittelschwarzungleichmäßig32,3fg2,54a6,818,7c15,0bcausgeglichen
1

=subjektiv bewertet auf einer Skala von 1= schwach bis 9= sehr gut; zusammengefasste Daten 2023 - 2024

2

=Mittelwerte von Messungen an 2 Tagen in der Haupterntezeit 2024

*

=verschiedene Buchstaben zeigen signifikante Unterschiede (ANOVA mit nachfolgendem SNK-test, p<0.05)

'Mojo Berry' hatte mit 19,9 die significant höchste Fruchtfleischfestìgkeit, ebenfalls hoch lagen die Werte von 'SO 1087' (16,5), 'Regina' (15,0) und M. australis 'Baranya' (14,8). Im untersten Segment lagen 'SO 1040' (6,6), 'BA 2126' (6,8), 'VE 2620' (7,3), 'KP 205' (9,6), 'GMS 2533' (9,0), 'Illinois Everbearing' (9,4) und 'VA 2569' (10,3).

Die gemessenen Brix-Werte variierten sehr stark zwischen 11,2 bei 'Mojo Berry' bis zu 26,8 bei 'KP 205'. Sie sind vergleichbar und sogar zum Teil höher als von Sorten aus dem asiatischen Raum, wo maximale Werte von 19,7 gemessen wurden (Chethankumar et al., 2024). Die Sorten mit den höchsten Bewertungen beim Gesamtgeschmack lagen mit Brix-Werten von 17,7 bis 18,7 im mittleren Bereich in der selben Signifikanzgruppe (c); ihnen wurde meist auch ein ausgeglichener Geschmack bescheinigt. Im Gesamtgeschmack am höchsten bewertet wurde 'Illinois Everbearing' (7,5; 18,3 °Brix), gefolgt von 'Regina' (6,8; 18,7 °Brix), 'SO 1040' (6,3; 17,7 °Brix), M. australis 'Baranya' (6,0; 18,1 °Brix) und 'Weiße Maulbeere' (6,0; 18,3 °Brix). Am geringsten (4,3) wurde 'Mojo Berry' bewertet, was auf die schon erwähnten significant niedrigsten Brix-Werte (11,9), aber auch auf den süßlichen und relativ eintönigen Geschmack zurückzuführen ist, der im Übrigen auch 'VA 2569' (5,2; 15,5 °Brix) bescheinigt wurde. ‘Illinois Everbearing' kann auch schon im nicht voll reifen Zustand verzehrt werden, hierbei kommen angenehme Zitrusnoten zum Vorschein. Bei 'BA 2126' wurde außerdem eine Feigennote, bei 'GMS 2533' eine Mangonote wahrgenommen.

Schlussfolgerungen

Es ist kaum möglich, Literatur über Maulbeersorten zur Fruchtnutzung zu finden. Obwohl die Maulbeere in einem ihrer Hauptanbaugebiete, der Türkei, ein größeres Produktionsvolumen als andere Obstarten, wie zum Beispiel Erdbeeren, auf-weist, sind keine offiziellen Sorten registriert (Agricultural Department of the Netherlands, 2022). Eine schlechte Haltbarkeit, die oft als Argument für eine geringe kommerzielle Nutzung einer Obstart angegeben wird, ist bei der Maulbeere mit anderen Beeren, z.B. Himbeeren vergleichbar. Himbeeren können im CA-Lager bis zu 21 Tage gelagert werden, Maulbeeren im normalen Kühlhaus dagegen ohne CA bei +-1,5 °C bis zu 25 Tage (Huynh et al., 2023; Park et al., 2013). Daher ist es verwunderlich, dass es auch im globalen Kontext kaum Sortenregistrierungen gibt. Die offizielle Beschreibung und Registrierung von Maulbeersorten würde eine klare Anbauempfehlung von Sorten erleichtern (UPOV, n.d.).

Die erzielten Ergebnisse der von uns geprüften Sorten sind in den Parametern Größe und °Brix mit anderen Ertragssorten vergleichbar, wie der Vergleich mit der Literatur gezeigt hat (Sun et al., 2023; Chethankumar et al., 2024). In der Folge wollen wir unsere Ergebnisse zusammenfassen und die dabei am interessantesten erscheinenden Sorten kurz diskutìeren.

'Illinois Everbearing' konnte vor allem durch seine hohe Frostfestìgkeit, hohen Ertrag und eine lange Erntezeit bei sehr guter Fruchtqualität (Frucht-größe, der Gesamtgeschmack lag mit 7,5 am höchsten, mittlere Brix-Werte) punkten. Lediglich die Fruchtfleischfestigkeit lag auf niedrigem Niveau. Die Sorte ist eine der ersten bekannten Hybriden zwischen M. alba und M. rubra und wird als sehr gute Speisemaulbeere, selektioniert auf Frostfestìgkeit, eher niedrigen Wuchs, hohen Ertrag und eine lange Ertragsdauer von mehreren Wochen mit nahezu samenlosen, schwarzen Früchten beschrieben (Pirc, 2015, Campbell et al., 2023), was wir mit unseren Ergebnissen bestätìgen können.

'Regina' zeichnet sich durch ihre enorme Frucht-größe bei hoher Fruchtfestìgkeit aus, aber auch durch hohen Ertrag, trotz einiger Spätfrostschäden an den Trieben auch im Jahr 2024. Beim Gesamtgeschmack erzielte sie mit 6,8 die zweithöchste von uns vergebene Bewertung, auch die Brix-Werte lagen mit 18,7 im mittleren bis höheren Bereich. Die Baumschule Schreiber, von der wir die Sorte 'Regina' als Morus nigra bezogen, gab bei mündlicher Nachfrage an, sie als solche aus Italien erhalten zu haben. In der Literatur ist dazu in einem Sortenregister die Sorte 'Regina nero' zu finden, welche mit dem Synonym 'Sanguigno' geführt wird (Dipartìmento Agricoltura, Sviluppo Rurale ed Ambientale, 2017). Auf der offiziellen Seite der Agrar- und Lebensmittelindustrie von Apulien konnte eine Beschreibung der Sorte versehen mit dem Synonym M. nigra ausfindig gemacht werden (Filiere Agroalimentari Regione Puglia, n.d.). Früchte von M. nigra haben neben ihrer typischen Fruchtform und Farbe auch im vollreifen Zustand eine stark ausgeprägte Säure (1,40 %) im Gegensatz zu M. alba (0,25 %) (Ercisli et al., 2007), was wir sensorisch keineswegs feststellen konnten. Die Knospengröße von 'Regina', die im Zuge unserer Arbeit genauer untersucht wurde, ist deutlich kleiner als jene von M. nigra mit 0,2 x 0,5 mm (Nepal und Purintun, 2021). Die Sorte 'Regina' aus unserem Versuch ist aufgrund ihrer gelblichen Färbung der Rinde, ihrer hellgrünen gezähnten Blätter, des eher süßen Geschmacks daher eher M. alba zuzuordnen. Jedenfalls ist sie eindeutìg keine M. nigra, die bekanntlich dunklere, breite, herzförmige Blätter, eine graue bis dunkle Rinde und vor allem mehr säuerlich schmeckende Früchte mit einem kurzen Fruchtstìel aufweisen (Nepal, 2008).

M. australis 'Baranya' wies eine ähnliche Frostfestìgkeit und Ertragshöhe auf wie 'Illinois Everbearing', interessant ist außerdem die hohe Fruchtfleischfestìgkeit. Geschmacklich ist sie dagegen mit 6,0 nur im mittleren Niveau angesiedelt. Die 'Weißfruchtìge Maulbeere' zeigte im allgemeinen ebenfalls günstìge Eigenschaften und könnte für die Produktìon von Trockenfrüchten interessant sein. Ein Grund, warum vor allem weißfruchtìge Sorten für die Trocknung verwendet werden, könnte der geringere Anthocyan Gehalt sein. Diese können nämlich zusammen mit Tanninen ein verstärktes adstringierendes Mundgefühl hervorrufen (Paissoni et al., 2026). Starke Adstringenz ist bei Trockenfrüchten im Normalfall unerwünscht.

Alle übrigen untersuchten Sorten wiesen einige oder mehrere Nachteile, wie geringen Ertrag, kleine Früchte, schwachen Geschmack (v.a. 'Mojo Berry') oder für die Ernte nachteilige kurze Fruchtstìele auf.

Aufgrund von Ertrag und Fruchtqualität weisen demnach 'Illinois Everbearing', 'Regina' und M. australis 'Baranya' das größte Potentìal der von uns geprüften Sorten für den Frischmarkt auf, wobei 'Illinois Everbearing' und 'Regina' auch geschmacklich überzeugen konnten.

In weiterführenden Arbeiten sollten vielversprechende Sorten nach diesem Schema unter hiesigen Anbaubedingungen untersucht werden. Darüber hinaus besteht Forschungsbedarf hinsichtlich der Transport- und Lagerfähigkeit der einzelnen Sorten sowie möglicher Unterschiede in den Nähr-stoffgehalten der Früchte verschiedener Maulbeersorten. Ebenso sollte die Eignung der Blätter der untersuchten Sorten für die menschliche Ernährung einschließlich ihrer DNJ-Gehalte bewertet werden. Von besonderem Interesse ist dabei auch die Veränderung der Nährstoffzusammensetzung im Verlauf der Blattentwicklung der einzelnen Sorten.

DOI: https://doi.org/10.2478/mittklbg-2026-0008 | Journal eISSN: 3061-063X | Journal ISSN: 3061-0621
Language: English
Page range: 115 - 128
Submitted on: Dec 5, 2025
Published on: Jun 26, 2026
In partnership with: Paradigm Publishing Services
Publication frequency: 4 issues per year

© 2026 Andreas Spornberger, Daniela Noll, Emilia Gaydarova, Marlene Kain, Michaela Kremlicka, Leo Mantl, published by High School and Federal Office of Viticulture and Pomology
This work is licensed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivatives 4.0 License.