References
- Der vorliegende Aufsatz ist ein stilistisch überarbeiteter, geänderter und um Leitfragen ergänzter Ausschnitt aus meiner Doktorarbeit, die bei Vittorio Klostermann erscheinen wird. Der Arbeitstitel lautet »Die Zumutbarkeit der Verwaltungsarbeit. Eine Kommunikations- und Alltagsgeschichte der Kammerbehörden in Minden und Ravensberg (1648–1806)«.
- Zur Geschichte der Verwaltung unter vielen Karl Spannagel: Minden und Ravensberg unter brandenburg–preußischer Herrschaft von 1648 bis 1719, Hannover 1894; Walther Hubatsch: Friedrich der Große und die preußische Verwaltung, Berlin 21982, S. 159–161; Hans Haussherr: Verwaltungseinheit und Ressorttrennung vom Ende des 17. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, Berlin 1953; Meta Kohnke: Zur Geschichte des Generaldirektoriums 1712/22–1808, in: Jürgen Kloosterhuis (Hg.): Aus der Arbeit des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1996, S. 47–73.
- Zum Begriff des Kontaktsystems Niklas Luhmann: Funktionen und Folgen formaler Organisation, Berlin 31976, S. 272–283; ders.: Legitimation durch Verfahren, Frankfurt am Main 92013, hier S. 75–81.
- Zur Werkwoche etwa Acta Borussica. Denkmäler der Preußischen Staatsverwaltung im 18. Jahrhundert. Die Behördenorganisation und die allgemeine Staatsverwaltung Preußens im 18. Jahrhundert [ABB], Bd. III, herausgegeben von der Königlichen Akademie der Wissenschaften, Berlin/Hamburg 1894–1982, Nr. 295, S. 681–723, hier S. 686.
- Luhmann: Legitimation durch Verfahren, S. 75–81.
- Luhmann: Legitimation durch Verfahren, S. 75–81; auch Wolfgang Teckenberg: Arbeitsbeziehungen, informelle Kontakte und Produktivität in sowjetischen Betrieben. Neue Umfrageergebnisse, Köln 1980.
- Natürlich sind Unterschiede wie die schriftliche Setzung von Verwaltungsvorschriften oder die Publikation von Gesetzestexten zu berücksichtigen. Unter vielen Thomas Schelling: Economics and Criminal Enterprise, in: ders.: Choice and Consequence, Cambridge, MA 1984, S. 158–178; ders.: The Strategy of Conflict, Cambridge, MA 1980, S. 21–52 und S. 119–161; Diego Gambetta: The Sicilian Mafia. The Business of Private Protection, Cambridge, MA 1996.
- 1705 verordnete der König die Sitzordnung nach Dienstalter. Zuvor tagten alle Ratsgremien auf zwei Sitzbänken: einer für den Adel und einer für das Bürgertum. Siehe Corpus Constitutionum Marchicarum, Oder Königl. Preußis. und Churfürstl. Brandenburgische in der Chur- und Marck Brandenburg, auch incorporirten Landen publicirte und ergangene Ordnungen, Edicta, Mandata, Rescripta u.: Von Zeiten Friedrichs I. Churfürsten zu Brandenburg, u. biß ietzo unter der Regierung Friderich Wilhelms Königs in Preussen u. ad annum 1736. inclusive […], herausgegeben von Christian Otto Mylius, Bd. 6/2, Berlin/Halle 1735–1755, hier Bd. VI/2, Nr. 27, S. 51–56.
- Spannagel: Minden und Ravensberg, S. 104-146.
- Etwa Niklas Luhmann: Kann die Verwaltung wirtschaftlich handeln? In: Verwaltungsarchiv 51 (1960), S. 97–115.
- Für das Scheitern Wolfgang Seibel: Successful Failure. An Alternative View on Organizational Coping, in: American Behavorial Scientist 39 (1996), S. 1011–1024; für die Irrwege etwa Jeffrey Pressman / Aaron Wildavsky: Implementation. How Great Expectations in Washington Are Dashed in Oakland; or, Why It’s Amazing that Federal Programs Work At all, This Being a Saga of the Economic Development Administration as Told by Two Sympathetic Observers Who Seek to Build Morals on a Foundation of Ruined Hopes, Berkeley 1973.
- Harold Garfinkel: The Rational Properties of Scientific and Common Sense Activities, in: ders.: Studies in Ethnomethodology, Englewood Cliffs 1967, S. 262–283.
- Niklas Luhmann: Die Grenzen der Verwaltung, hg. von Johannes Schmidt / Christoph Gesigora, Berlin 2021, S. 164–189.
- Für das Generaldirektorium verordnete der König »gutes Essen«: tagtäglich »eine gute Suppe, ein gut Stück Rindfleisch und Vorkost, eine gute Schüssel Fische, einen guten Rinder-, Hammel- und Kalberbraten und […] ein Quart Bouteille Rheinwein«. Obwohl die Verwaltung vom Hofstaat getrennt war, sollte sie versorgt werden. Vgl. ABB III, Nr. 287, S. 668–669.
- Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen [LAV NRW W], D607/Kriegs- und Domänenkammer Minden, Nr. 2, fol. 50r–52v.
- Zur Schlacht bei Minden Martin Steffen (Hg.): Die Schlacht bei Minden. Weltpolitik und Lokalgeschichte, Minden 2008.
- Für Friedrich Willhelm Freiherrn von Borcke vgl. Werner Freitag: Konsensualer Zentralismus? Die Grafschaft Ravensberg von 1647 bis 1719, in: Manfred Groten / Clemens Looz-Corswarem / Wilfried Reininghaus (Hg.): Der Jülich-Klevische Erbstreit 1609. Seine Voraussetzungen und Folgen, Düsseldorf 2011, S. 225–240; Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungsund Justizbeamten 1740–1806/15, München 2009; auch Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz [GStA PK], I. HA, Rep. 94, II, C, Nr. 3 und Nr. 4.
- Zum Zustand der Schriftgutverwaltung im Generaldirektorium Wolfgang Neugebauer: Residenz – Verwaltung – Repräsentation. Das Berliner Schloss und seine historischen Funktionen vom 15. bis 20. Jahrhundert, Potsdam 1999.
- Die Sachpolitik des neuen Ministers war nicht konsensfähig. Bereits in vorigen Stationen hatte er großen Widerstand ausgelöst. Vgl. Ernst Posner: Ludwig Philipp Freiherr vom Hagen, in: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt (Hg.): Mitteldeutsche Lebensbilder. Bd. 3: Lebensbilder des 18. und 19. Jahrhunderts, Magdeburg 1928, S. 46–63; Heinrich Schlücking: Freiherr Ludwig vom Hagen. Insbesondere seine Verdienste um den Westen der Monarchie, Münster 1917.
- Georg Simmel: Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung, hg. von Otthein Rammstedt, Frankfurt am Main 82016, S. 764–771; Niklas Luhmann: Der neue Chef, in: ders.: Der neue Chef, hg. von Jürgen Kaube, Berlin 2016, S. 7–42, hier S. 27–32.
- Die Protokolle der Reise von 1764 sind verschollen. Trotzdem klingt der scharfe Ton vom Hagens in Vergleichsakten an. Während einer Revuereise von 1769 ließ er beispielsweise explizit über die Registratur diskutieren. LAV NRW W, D607/Kriegs- und Domänenkammer Minden, Nr. 194. Dass der Minister im Sommer 1764 Minden- Ravensberg bereiste, kann der Überlieferung des Landesarchivs in Münster sowie der älteren Forschung entnommen werden. Für die Vergleichsakten, die Forderungen vom Hagens und die ältere Forschung vgl. ABB XIII, Nr. 187, S. 393–398; Franz Wiemers: Das Salzwesen an Ems und Weser unter Brandenburg-Preußen. Ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte der Stadt Bad Oeynhausen, Münster 1915, hier S. 99; LAV NRW W, D601/Generaldirektorium zu Berlin, Nr. 2, fol. 47r–95v.
- Ebd. und LAV NRW W, D607/Kriegs- und Domänenkammer Minden, Nr. 1723, fol. 393r–399v.
- In einem »meineidigen« Intermezzo wurde Präsident Freiherr von Borcke, der Vorgänger Freiherr vom Hagens, 1738 zusammen mit den zwei Kammerdirektoren entlassen. Fortan übernahm eine Einzelperson ihren Dienstbereich. Mehr als zwanzig Jahre später mutmaßte der Minister, dass Gotthold Siegmund Baerensprung mit seinen Amtspflichten überfordert sei. Tatsächlich war es Brauch, älteren und gesundheitlich eingeschränkten Fürstendienern personelle Unterstützung zuzugestehen. Im typischen Fall rückten die Gehilfen nach dem eingetretenen Tod in die Position ein. Die Kammerinstruktion von 1723 schrieb explizit vor, auf diese Weise den Vorrat an »capablen Leuten« zu füllen. Vgl. Hans Nordsiek: Das preußische Fürstentum Minden zur Zeit Friedrichs des Großen, Minden 1986, S. 39–42; für die Besonderheiten der Mindener Kammer auch vgl. Georg Galle: Kammer und Kommissariat. Die Entwicklung der Kammer und Kommissariatsverwaltung in Minden-Ravensberg zur Zeit Friedrich Wilhelms I., in: Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins 61 (1989), S. 45–69.
- Entscheidungen werden in Verwaltungen nicht aufgrund von konsistenten Zielvorstellungen getroffen, sondern je nach Aufmerksamkeitslage gefällt. Im Prozess des Organisierens suchen sich Lösungen ihre Probleme. Michael Cohen / James March / Johan Olsen: A Garbage Can Model of Organizational Choice, in: Administrative Science Quarterly 17 (1972), S. 1–25.
- LAV NRW W, D607/Kriegs- und Domänenkammer Minden, Nr. 172, fol. 395r.
- Für die Vorkommnisse zwischen 1759 und 1766 vgl. LAV NRW W, D607/Kriegs- und Domänenkammer Minden, Nr. 172, fol. 384r-538v; LAV NRW W, D607/Kriegs- und Domänenkammer Minden, Nr. 173, fol. 1r-84r; LAV NRW W, D601/Generaldirektorium zu Berlin, Nr. 2, fol. 47r-95v.
- LAV NRW W, D601/Generaldirektorium zu Berlin, Nr. 2, fol. 79r-79v.
- Vgl. LAV NRW W, D607/Kriegs- und Domänenkammer Minden, Nr. 172, fol. 510r-517r.
- Für die Vorgänge vgl. weiterhin LAV NRW W, D607/Kriegs- und Domänenkammer Minden, Nr. 172, fol. 510r-517r. Die frühneuzeitliche Literatur zu Archiven und Kanzleien hat vor Feuchtigkeit, Parasiten und Bränden gewarnt. In den frühen Kammerjahren leistete man sich in Minden deswegen nicht nur Pedellen und Diener, sondern auch einen ›Einheizer‹. Vgl. LAV NRW W, D607/Kriegs- und Domänenkammer Minden, Nr. 167; Markus Friedrich: Die Geburt des Archivs. Eine Wissensgeschichte, München 2013.
- LAV NRW W, D607/Kriegs- und Domänenkammer Minden, Nr. 172, fol. 510r-517r.
- AV NRW W, D607/Kriegs- und Domänenkammer Minden, Nr. 172, fol. 510r-517r.
- Vgl. LAV NRW W, D607/Kriegs- und Domänenkammer Minden, Nr. 172, fol. 510-517; LAV NRW W, D607/Kriegs- und Domänenkammer Minden, Nr. 167, fol. 348-356v. GStA PK, II. HA, Abt. 17, Tit. II, Nr. 5, fol. 3r–10v.
- Spieltheoretische Modellierungen weisen nach, dass Netzwerke wahrscheinlich sind, solange Kosten und Nutzen wohl ausgewogen sind. Die Argonauten des westlichen Pazifiks funktionieren als Ring, aber nicht als Linie. Im vorliegenden Fall war Thüre von allen Kanälen abgeschnitten. Erstens war ihm der Weg über das Kollegium und den Präsidenten versperrt. Zweitens hemmte der Kammerdirektor eine Verbrüderung mit den Kanzlisten und Registratoren. Drittens besaß der neue Rat keine Beziehungen zu Freiherr vom Hagen, der über die Trägheit in Minden ohnehin verärgert war. Warum hätte er den Rat bitten sollen, noch mehr Berichte zu produzieren? Vgl. Rolf Ziegler: What Makes the Kula Go Round? A Simulation Model of Spontaneous Emergence of a Ceremonial Exchange Model, in: Social Networks 30/2 (2008), S. 107–126; zu weiteren Modellbildungen, etwa den Bala-Goyal-Ringen, vgl. Brian Skyrms: Evolution of the Social Contract, Cambridge 1996, S. 161–176.
- LAV NRW W, D607/Kriegs- und Domänenkammer Minden, Nr. 173, fol. 1r-16r.
- LAV NRW W, D601/Generaldirektorium zu Berlin, Nr. 2, fol. 79r-79v.
- In einer Unterredung mit seinen Ministern Freiherr vom Hagen und von Derschau wunderte sich Friedrich II. im Dezember 1769, wie schwierig es sei, Präsidenten und andere »capable Leute« für den Verwaltungsdienst zu rekrutieren. Weniger zaghaft war er, seine Kammervorsitzenden von ihrem Amt zu entheben. Etwa ein Viertel fiel in der Regierungszeit des Monarchen in Ungnade. Von den fünf Präsidenten, die unter dem König in Minden zugegen waren, verließen drei die Kammer ohne Versetzung. Alexander Samuel Freiherr von Loeben war erkrankt, Friedrich Wilhelm von Rochow wurde bloß aus standesgemäßer Pietät verabschiedet und ebenso bat von Dacheröden um Dimission. Wenngleich den Regenten ein großes Desinteresse befiel, sich mit den Westprovinzen zu beschäftigen, sind die Entwicklungen in den Nachbarterritorien nach Horst Carl ähnlich. Vgl. Hubatsch: Friedrich der Große, S. 159–161; Nordsiek: Das preußische Fürstentum Minden, S. 39–41; Horst Carl: Okkupation und Regionalismus. Die preußischen Westprovinzen im Siebenjährigen Krieg, Mainz 1993, S. 407–412. Dass Friedrich II. Engpässe in der Rekrutierung monierte, liegt auch darin begründet, dass das Präsidentenamt fast ausschließlich an Adlige vergeben wurde. Vgl. Rolf Straubel: Adlige und bürgerliche Beamte in der friderizianischen Justiz- und Finanzverwaltung. Ausgewählte Aspekte eines sozialen Umschichtungsprozesses und seiner Hintergründe (1740–1806), Berlin 2010, S. 94–99.
- Einen schriftlichen Niederschlag finden etwaige Drohungen im Regelfall nicht. Der Protest, den Kleingruppen aufführen, muss nicht in einem Drehbuch festgehalten werden. Immerhin sind Richtlinien und Dienstvorschriften kein Selbstzweck. Ohne Anpassungsleistungen, die mögliche Nebenfolgen kalkulieren, tendiert ein regelkonformes Verhalten von Arbeitern, Beamten und anderen bürokratischen Persönlichkeiten dazu, Produktionsergebnisse zu mindern und Organisationszwecke zu pervertieren, auch ohne dies schriftlich anzukündigen. Klassische Arbeiten haben eine übermäßige Normorientierung nicht als Entfremdung missverstanden, sondern auf die Strategien und Mittel verwiesen, die Mitgliedern Widerstand ermöglichen. Das, was als konformes oder bloß ritualisiertes Verhalten auftritt, kann offene Rebellion bedeuten. Vgl. Erhard Friedberg: Ordnung und Macht. Dynamiken organisierten Handelns, Frankfurt am Main 1995; Arnold Brecht: Bureaucratic Sabotage, in: The Annals of the American Academy of Political and Social Science 189 (1937), S. 48–57; Hans Rosenberg: Bureaucracy, Aristocracy and Autocracy. The Prussian Experience 1660–1815, Cambridge 1966, insb. S. 109–136; mit umgekehrter Blickstellung Luhmann: Funktionen und Folgen, S. 304–314.
- Heinrich Albrecht von Rodenberg trat 1748 als Auskultator in den preußischen Dienst. Drei Jahre später wurde er von Kleve-Mark nach Minden versetzt und zum Rat befördert. Im Jahr 1754 bestätigte man ihm, ein »fleißiger Beamter von redlichem Charakter« zu sein, von dem »ersprießliche Dienste« erwartet werden könnten, was sich keineswegs mit von Dacherödens Urteil deckt. Heinrich Thielemann diente wiederum fünfzehn Jahre als Kammerrat in Minden. Seine Amtsführung veranlasste seine Frau nach seinem Tod im Jahr 1770, um eine Pension zu bitten. Das muss durchaus als Ehrenerweis gewertet werden. Denn Geldzahlungen und insbesondere Witwenrenten waren zustimmungspflichtig. Das Selbstbewusstsein, eine solche einzufordern, deutet auch auf eine Amtsführung hin, die in Berlin und Potsdam positiv verfolgt wurde. Achatius Adolph Hoffmeister wurde schließlich erst unter von Dacheröden in die Provinzhauptstadt gelotst. Da er sich über eine militärische Laufbahn empfohlen hatte, wurde dem Präsidenten wahrscheinlich ein Mitspracherecht verweigert. Als junger Steuerrat führte er eine wohlwollende Konduite, die ebenfalls nicht mit den Bemerkungen aus dem Jahr 1766 in Einklang zu bringen ist. Vgl. GStA PK, I. HA, Rep. 96 B, Tit. 411 G, fol. 51v-52r; Straubel, Biographisches Handbuch, S. 432f., 814 und 1015; ABB X, Nr. 19, S. 26–33 hier S. 29f.
- LAV NRW W, D601/Generaldirektorium zu Berlin, Nr. 2, fol. 83r-95v.
- Auch der Minister sehnte sich danach, zu einem Alltag zurückzufinden. Zwar befahl er fortdauernd, »Tag und Nacht zu arbeiten, die Registraturen in eine völlige Ordnung zu bringen«, doch wohnte jeder Wiederholung eine Abkehr von alten Idealen inne. Vgl. LAV NRW W, D607/Kriegs- und Domänenkammer Minden, Nr. 194, fol. 1r-2v, hier 2r.
- LAV NRW W, D601/Generaldirektorium zu Berlin, Nr. 2, fol. 110r-185v. Die Rügen, welche seit 1766 an die Kanzleidiener adressiert wurden, sind zahlreich. Bis zur Jahrhundertwende nehmen sie nicht ab. Vgl. LAV NRW W, D607/Kriegs- und Domänenkammer Minden, Nr. 178, fol. 119r-119v.
- Für das erfolgreiche Scheitern vgl. Seibel: Successful Failure.
- Das Berichtswesen war besonders anfällig für Störmanöver. Nachfragen führten dazu, das der Instanzenzug wieder und wieder schriftlich aktiviert werden musste, weil jede Sache aktenmäßig zu ergründen war. Den Kriegs- und Domänenkammern waren an dieser Stelle ausreichend Mittel gegeben, Vorhaben bewusst zu verhindern. Nach Rolf Straubel entsprach der konzedierten Autonomie der regionalen Behörde und ihrer Vorsitzenden ein hohes Selbstbewusstsein. Vgl. Rolf Straubel: Beamte und Personalpolitik im altpreußischen Staat. Soziale Rekrutierung, Karriereverläufe, Entscheidungsprozesse (1763/86–1806), Potsdam 1998; Stefan Brakensiek: Neuere Forschungen zur Geschichte der Verwaltung und ihres Personals in den deutschen Staaten 1648–1848, in: Jahrbuch für europäische Verwaltungsgeschichte 17 (2005), S. 297–326, hier S. 307f.
- LAV NRW W, W, D601/Generaldirektorium zu Berlin, Nr. 2, fol. 220r-252v; LAV NRW W, D607/Kriegs- und Domänenkammer Minden, Nr. 175, Nr. 176, Nr. 178 und Nr. 179.
- Eine detaillierte Untersuchung zum Fall Dacherödens vgl. Carl: Okkupation und Regionalismus, S. 407–412; auch Ilse Foerst-Crato: Karl Friedrich von Dacheröden, in: Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins 49 (1977), S. 131–136.
- Untersuchungen zur Sprachgeschichte der Korruption heben hervor, dass sich am Ende des 18. Jahrhunderts ein semantisches Primat der Sachbezüge durchgesetzt hat. Der Vorwurf, Gelder zu veruntreuen, wurde genutzt, um fremde Klientelnetzwerke zu beschädigen. Korrupt waren die anderen. Die Funktion, soziale Bindungen zu stabilisieren, konnte von einer bürokratischen Schriftlichkeit jedoch längst nicht übernommen werden. Aus diesem Grund wurde der Begriff der Korruption nicht mit einer pejorativen Autonomie aufgeladen. Er koppelte sich an die Strukturen von sozialen Bezugsgruppen, statt eine allgemeine Praxis zu verurteilen. Friedrich Carl von Moser hat dies eindrücklich beschrieben: »Vorurtheile, Landessitten, Gefälligkeit gegen Eltern, Frau, Verwandte, Localnothwendigkeiten und sonstige konventionelle Bedürfnisse legen auch dem weisen, über Vorurtheile erhabenen und gegen Flitter gleichgültigen Manne das Desipere in loco, zuweilen als Pflicht auf.« Vgl. Friedrich Carl von Moser: Ueber den Diensthandel deutscher Fürsten, Frankfurt am Main 1786, S. 7f.; auch etwa Robert Bernsee: Moralische Erneuerung. Korruption und bürokratische Reformen in Bayern und Preußen, 1780–1820, Göttingen 2017.
- Ein weiteres Beispiel für von Dacherödens Kritik am Personal vgl. ABB XIV, Nr. 265, S. 630-636; für den reziproken Zinssatz von Beziehungen vgl. Horst Bosetzky: Mikropolitik. Netzwerke und Karrieren, Wiesbaden 2019; zur brauchbaren Illegalität siehe Luhmann Funktionen und Folgen, S. 304–314.
- Zur Kritik an Dacherödens »windigen« Berichten vgl. ABB XIV, Nr. 14, S. 240–241; Foerst-Crato: Karl Friedrich von Dacheröden.
- ABB XIV, Nr. 14, S. 240–241; Foerst-Crato: Karl Friedrich von Dacheröden; Carl: Okkupation und Regionalismus, S. 407–412; ABB XIII, Nr. 349, S. 691–693, hier S. 692; ABB XV, Nr. 33, S. 79-80, und Nr. 129, S. 364–365.
- Walther Hubatsch unterstellt von Dacheröden, unfähig gewesen zu sein. Die fortdauernden Rügen und Beanstandungen listet auch Hans Nordsiek auf. Vgl. Hubatsch: Friedrich der Große, S. 160; Nordsiek: Das preußische Fürstentum Minden, S. 40; eine dichte Beschreibung der Affäre, die zu quellenkundlichen Spekulationen anregt, findet sich bei Carl: Okkupation und Regionalismus, S. 407–412; Foerst-Crato: Karl Friedrich von Dacheröden; Wiemers: Das Salzwesen, S. 97–113.
- Der Begriff des Immunsystems wird von Niklas Luhmann verwendet, aber nicht ausformuliert. Eine intensive Auseinandersetzung findet sich bei Francisco Javier Varela: Der Körper denkt. Das Immunsystem und der Prozess der Körper-Individuierung, in: Hans Ulrich Gumbrecht / Ludwig Pfeiffer (Hg.): Paradoxien, Dissonanzen, Zusammenbrüche. Situationen offener Epistemologie, Frankfurt am Main 1991, S. 727–743; unter vielen Textstellen Niklas Luhmann: Das Recht der Gesellschaft, Frankfurt am Main 1993, S. 565–568.
- In der Spieltheorie werden Situationen doppelter Kontingenz über das iterierte Gefangenendilemma modelliert. Erfahrungswerte ermöglichen stabile Strategien und Nash-Gleichgewichte. Hierfür Skyrms: Evolution of Social Contract.