In den letzten Jahrzehnten hat sich das wissenschaftliche Publizieren auch in der Philosophie vom gedruckten Werk hin zu überwiegend digitalen Formaten entwickelt.
Warum aber sollte man sich in der Philosophie mit Fragen zur Infrastruktur an Universitäten befassen? Wieso sollte man als Vertreter:in dieses Faches kritisch über Prozesse des elektronischen Publizierens nachdenken? Was haben Philosoph:innen mit Bibliometrie zu tun und wie verändert das die philosophische Arbeit?
Die Autor:innen erörtern kritisch die gegenwärtige Praxis des elektronischen Publizierens sowie die darauf aufbauende quantitative Leistungsbeurteilung wissenschaftlicher Expertise. Die Philosophie tritt in diesem Kontext sowohl als Anwendungsdisziplin als auch als Reflexionswissenschaft auf:
(1) Als Anwender:innen von Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK-Technologien) sind Philosoph:innen in ihrem Arbeitsalltag mit Entwicklungen und Problemstellungen in Bezug auf das elektronische Publizieren (z.B. Fragen zur Finanzierung von sogenannten Article Processing Charges APCs, zu Repositorien, zu neuen Formen der Wissenschaftskommunikation mittels sozialer Medien, zu Open Access usw.) sowie dem damit verbundenen Phänomen der bibliometrischen Bewertung wissenschaftlicher Leistung (z.B. Journal Impact Faktor, h-Index etc.) konfrontiert.
(2) Als Expert:innen der kritischen Reflexion wissenschaftlicher Erkenntnisprozesse, der epistemischen Arbeitsteilung, der Vernetzung von Wissenschaft und Gesellschaft sowie damit einhergehender Schwierigkeiten sind sie diejenigen, die andererseits in kritischen Analysen Fragen nach Expertentum, Vertrauen, Autonomie und wissenschaftlichem Fortschritt nachgehen.
In dieser Doppelfunktion suchen Vertreter:innen des Faches in diesem Band den Dialog mit Expert:innen der Informations- und Bibliothekswissenschaften an Universitäten sowie an außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Die Beiträge kreisen um Fragestellungen der folgenden Art:
Wie kann die wissenschaftliche Gemeinschaft ihre Autonomie gegenüber einem Oligopol der Informationsanalysten im Kontext des elektronischen Publizierens behaupten?
Wie können beunruhigende Fehlentwicklungen wie jene des Wissenschaftlertrackings rückgängig gemacht werden?
Welche Kriterien und Maßstäbe sollte die wissenschaftliche Gemeinschaft an ihre eigene Expertisebeurteilung künftig stellen?