Abstract
Leitintention des Beitrags ist es, durch eine strukturfunktionalistische und
zugleich ideengeschichtliche Analyse der Dialektik von Esoterik und Exoterik
eine Transformation der Esoterik-Forschung zur Esoterologie vorzuschlagen.
Dies geschieht insbesondere durch den Aufweis der philosophiegeschichtlichen
Dimension der Esoterik-Exoterik-Debatte. Im Zentrum der Erörterung stehen drei Thesen und eine methodologische Überlegung: 1. Die religions- und literaturgeschichtliche Diskussion der Esoterik ist durch
eine systematisch philosophische zu ergänzen. Diese ist bereits in der Philosophie Platons und Aristoteles’ nachzuweisen, sie hat sich in der Philosophie der Aufklärung noch einmal verstärkt und ist in der Philosophie des 20. Jahrhunderts weiterhin präsent. 2. Die Geschichte der Esoterik ist danach nur bedingt als ‚Geschichte unterdrückten Wissens‘ (Hanegraaff) zu lesen und 3. Esoterik ist als dichotomischer Relationsbegriff ohne die Erörterung des jeweils mitgesetzten Exoterikbegriffs nur begrenzt sinnvoll zu diskutieren. Methodologisch verfolgt die Analyse einen strukturfunktionalistischen Ansatz, der die Spannung zwischen esoterischem und exoterischem Wissen weniger unter einem inhaltlichen als vielmehr unter einem funktionalen Schwerpunkt in den Blick nimmt. Dieser ermöglicht es, auch Wissensfelder der Gegenwart mit dem esoterologischen Esoterik-Exoterik-Modell zu erörtern.
© 2021 Hartmut Traub, published by frommann-holzboog
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